16.09.2006, Mühlhausen - Divi-Blasii-Kirche

Uta Ziegner: Hohe Gesangskultur. Kammerchor: Wohlfühlmusik für Sänger und Publikum zum Gemeindefest der Kirche Divi Blasii, in: Thüringer Allgemeine Zeitung, v. 19.09.2006. pdf

Ein Benefizkonzert zugunsten der Kirche Divi Blasii hat der Kammerchor „CantArt” aus Halle und Leipzig anlässlich des Gemeindefests am Wochenende gegeben. Erlebnisfaktor war Wohlklang in disziplinierter Form und signifikantem Stil bei impulsiver Sangesfreunde und pulsierender Musikalität. Kammerchöre und -orchester lassen meist Gutes erwarten, denn die kleine Besetzung fordert den Einzelnen besonders. So war man gespannt auf „CantArt”, zumal es der Kulminationspunkt des zweiten Fests von Divi Blasii war. Pfarrer Andreas Schwarze wies auf eine Tradition der jährlichen Veranstaltung hin, die, unterstützt von dem im Januar 2004 gegründeten Förderverein, die Spendenaktion „100 mal 100” ins Leben gerufen hatte. Mit ihr soll die Sanierung der berühmten Farbglasfenster gefördert werden. So galt am Schluss des Benefizkonzerts der Dank des Vorsitzenden des Fördervereins, Superintendent Andreas Piontek, den Mitwirkenden, Spendern und Anwesenden. Mit „Gesangskunst” mag man den Namen des Kammerchors „CantArt” übersetzen. Und singen können sie! Oliver Burse, Kantor an der Gedächtniskirche in Leipzig, führt die Ensemblemitglieder seit 2001. Detailliert formt der hervorragende Chordirigent mit diffizilen Handbewegungen den Klang. Streng ausgewählt scheinen die Mitglieder - 15 beziehungsweise 18 hervorragende Einzelstimmen. Von wunderbarer Homogenität ist der vielstimmige Chorklang, dem dennoch Charakteristisches inhärent ist. Die geschulten Stimmen sind beweglich, die Aussprache ausgezeichnet. Spätestens als Louise Steinbach ihr Sopransolo in Thomas A. Dorseys „Liebster Herr” sang, war man von der hohen Gesangskultur überzeugt. Die Geburtsjahre der Komponisten - 1530 bis 1950 -waren die Eckpunkte der breit gefächerten Interpretationspalette. Ins Programmmotto „Jahreszeiten - Lebenszeiten” fügten sich die Madrigale der Renaissance mit Preisliedern der schönsten Jahreszeiten. Aus den großen Chorzyklen der Romantiker Mendelssohn-Bartholdy, Schumann und Brahms gab es nochmals Löbliches auf Frühling, Sommer und Herbst. Eine Wohlfühlmusik für Publikum und Sänger, die hier Phrasierung und Dynamik wahrhaft auskosteten. Inhaltlich fast symptomatisch blieb der heutigen Zeit, dem dritten Programmteil, Angst und Fürbitte. Und doch war das traurigste Lied von William L. Dawson das spritzigste: interessanter Rhythmus, über den sich das musikalische, sprich: menschliche, Geschehen rankte.