18.09.2010, Mühlhausen - Divii-Blasii-Kirche

Ruthild Vetter: Modellfenster der Mühlhäuser Divi-Blasii Kirche versteigert, in: Thüringer Allgemeine Zeitung, v. 23.09.2010. (online) pdf

Beim diesjährigen Divi-Blasii Fest in der gleichnamigen Mühlhäuser Kirche stellte der Förderverein seinen Jahresbericht vor, in dem auch die neusten Restaurierungsergebnisse präsentiert wurden. Ein Höhepunkt des Festes war die Versteigerung des für die Sanierung angefertigten Chorfensters. Der Kammerchor „CantArt” aus Halle sorgte für einen gelungenen musikalischen Abend. Mühlhausen. Die geistliche und weltliche Chormusik aus vier Jahrhunderten von Schütz, Schein, Schumann, Golle, Lauridsen und weiteren Komponisten kam beim begeisterten Publikum so gut an, dass eine Zugabe gefordert und gern gegeben wurde. Der musikalische Leiter Oliver Burse hatte für die 16 Chormitglieder ein Programm zusammengestellt, das den Geschmack des fachkundigen Publikums in der gut gefüllten Kirche Divi Blasii genau traf. Auch wenn der Förderverein der Kirche Divi Blasii nach außen eher unauffällig und ruhig arbeite, wurde doch in den vergangenen Jahren viel geschafft. Das wurde im Bericht des Vorstands deutlich. Nachdem bisher Arbeiten an der Außenhülle im Vordergrund standen, treten der Innenraum mit Farbuntersuchungen und den mit- telalterlichen Chorfenstern ins Zentrum der Aktivitäten. Danach hörten die Mitglieder des Fördervereins in ihrer Jahresversammlung einen Bericht zum Stand der Restaurierungsarbeiten am siebenteiligen mittelalterlichen Chorfensterzyklus. Glasrestauratorin Nicole Sterzing erläuterte, warum die Belüftung der eingebauten Schutzverglasung nicht ausreichend war, um die fortschreitende Korrosion aufzuhalten. Dies war bei Arbeiten am Mauerwerk im Jahr 2003 deutlich geworden. Gleichzeitig mit der Restaurierung der Fenster wurde nach den Ursachen gesucht und nach Möglichkeiten, die Fenster künftig besser gegen Umwelteinflüsse zu schützen. Um weitere Schäden an den Originalfenstern zu vermeiden, wurde mit Hilfe eines Messmodellfensters das Klima zwischen der Schutzverglasung und dem Fenster untersucht. Dazu waren auf ein modernes Glasfenster Folien mit dem jeweiligen Motiv aufgebracht worden. Die Teile des Ersatzfensters waren kürzlich ausgebaut worden und standen jetzt zur Versteigerung bereit. Sie wurden innerhalb des Divi-Blasii-Festes für insgesamt 2240 Euro versteigert. Der Förderverein, der auch bisher schon die Forschungs- und Restaurierungsarbeiten finanziell unterstützt hatte, will den Betrag für die weiteren Arbeiten an den Chorfenstern einsetzen. Künftig wird eine geeignete Spalttemperierung die restaurierten Originalfenster schützen. Die Messungen werden an einem Fenster auf der Nordseite fortgesetzt. Bis Jahresende sollen alle restaurierten Fenster wieder an ihrem Platz sein. Nach alten Fotos wird bei einigen Fenstern auch wieder die ursprüngliche Anordnung hergestellt, so dass die Fenster der Kirche in neuem Glanz erstrahlen werden. Besonderen Spaß hatte Auktionator Peter Zimmer, der in rekordverdächtiger Geschwindigkeit alle zwölf Teile des Fensters versteigerte. Den höchsten Preis, 320 Euro, erzielte das dreiteilige Fenster mit dem Motiv des heiligen Blasius, der, als Schutzheiliger der Steinmetze, in der Denkmalpflege Huschenbeth seinen neuen Platz finden wird. Dietrich Hose ersteigerte die aus zwei Teilen bestehende Darstellung des heiligen Petrus. Und der heilige Georg wird demnächst im Gemeindezentrum von Georgii zu sehen sein.